Swiss Hanok – Symbol einer offenen und kommunikativen Nation

Ein Schauplatz, an dem nicht nur Diplomatischer Dialog stattfindet.

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Wie kann es sein, dass ich mich in nur wenigen Minuten von Südkorea in die Schweiz begeben kann? Ganz einfach, in dem ich die Schweizer Botschaft in Seoul besuche und Schweizer Boden betrete. Botschaftsgebäude sind in der Regel keine öffentlich zugänglichen Bauten und bleiben daher für die meisten Menschen „unsichtbar“. Nicht aber die Schweizer Botschaft in der Republik Korea. Sie veröffentlicht regelmässig einen Veranstaltungskalender, um die interessierte Öffentlichkeit und die in der Republik Korea lebenden Schweizer Bürgerinnen und Bürger über eine Vielzahl von Veranstaltungen zu informieren. Diesen Frühling konnten Schweizerinnen und Schweizer, die in Korea leben, die Gelegenheit wahrnehmen und die Botschaft anlässlich eines „Open House Event“ persönlich besuchen.

Die neue Schweizer Botschaft ist aber nicht irgendeine Botschaft. Es ist ein ganz spezieller Ort: Seit 2019 befindet sich der Neubau wieder am ursprünglichen Standort, nämlich im Seodaemun-gu 서대문구  Quartier. Das Gebäude wird liebevoll #swisshanok genannt und hat sich in kürzester Zeit zu einem Symbol für das Selbstbewusstsein der Schweiz, einer offenen und kommunikativen Nation entwickelt.

Ein Blick in das Gebäude des Swiss Hanok. | © by Hélène Binet

Als ich damals bei der offiziellen Eröffnung der neuen Botschaft das Gebäude zum ersten Mal berat, kam in mir spontan ein Gefühl von Frieden und Klarheit auf. Das Gebäude erweckt auch Erinnerung an die Schweiz. Nicht nur wegen der Schweizerfahne, welche schon von weitem beim Eingangsbereich zu sehen ist, sondern auch wegen der Schlichtheit und Eleganz des Gebäudes sowie dem Duft von frisch gehobeltem Holz, der einem beim Eintritt in das Gebäude entgegenkommt.

Dem Architekten gelang es, dem Bauwerk trotz massiven Mauern aus Sichtbeton, welche das Gebäude schützend umrahmen, eine Leichtigkeit zu verleihen. Auf beeindruckende Weise wurde eine Brücke zwischen den Kulturen Schweiz und Korea geschlagen. Tradition im Sinne eines koreanischen Hanok Hauses und der Offenheit der Schweiz. Oder in den Worten von Jodok Brunner:

Basierend auf der Typologie eines traditionellen koreanischen Hofhauses spiegelt das so genannte Hanok die Seele des koreanischen Volkes wider, das sich dem umfassenden digitalen Wandel stellt und sich gleichzeitig auf seine kulturellen Wurzeln besinnt und sich nach mehr Einfachheit im Alltag sehnt.

Jodok Brunner, Head of Section Buildings Abroad, Federal Office of Buildings and Logistics
Swiss Hanok wurde 2019 eröffnet. | © by Erae Architects & Engineers

Beim Rundgang am „Open House Event“ wurde schnell sichtbar, dass dieses Gebäude mit technischen Finessen und energieschonender Technik ausgestattet ist. Auf dem Dach sorgen Sonnenkollektoren für Warmwasser und Photovoltaik-Paneelen für die Stromerzeugung und geotechnische Sonden für die Heizung. Auch das Wasseraufbereitungs-System ist beispiellos: Der in sich geschlossene Kreislauf berücksichtigt sogar das Regenwasser. Ich könnte hier noch viele Details erwähnen, welche diesem Projekt zu Anerkennung und Bewunderung verholfen haben.

Ein Botschaftsgebäude, welches nicht nur Ort des Dialoges für den Diplomatischen Austausch und für konsularische Dienste ist.

Daniel Thomas Faller

Hervorheben möchte ich aber im Speziellen, dass das „Swiss Hanok“ 2019 unter anderem mit dem Award of Excellence des Monocle Magazine, Soft Power Award „Best Embassy“ ausgezeichnet wurde und im selben Jahr auch den „Korea Architecture Award“ gewonnen hat.

Der Innenhof des Swiss Hanok. | © by Hélène Binet

Ein Botschaftsgebäude, welches nicht nur Ort des Dialoges für den Diplomatischen Austausch und für konsularische Dienste ist. Unter demselben Dach befinden sich auch der Swiss Business Hub, das Science & Technologie Office sowie das Büro von Tourismus Schweiz.

Nebenbei ist das Swiss Hanok auch ein Schauplatz interessanter und spannender Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Swiss Korean Innovation Week, welche jedes Jahr im Spätfrühling stattfindet. Eine beispielhafte Symbiose von Tradition, Harmonie und Innovation. Beim diesjährigen Event lag der Fokus während einer Woche beim Thema „Diversity, a driver for Innovation“. Es fanden verschieden Anlässe zum Thema statt, welche die Schweiz und Korea in Dialog mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen brachte. Ebenfalls eine Gelegenheit, grossartige Kunst und Kultur von koreanischen und Schweizer Künstlerinnen und Künstler im digitalen sowie physischen Raum zusammenzubringen.

Live Performance der Schweizer Künstlerin Anna Anderegg am Eröffnungsanlass der Swiss Korean Innovation Week 2022. | Photographer Daniel Thomas Faller

Wir sind gespannt auf die kommenden Veranstaltungen und innovativen Begegnungen. Der Auftakt nach einer langen Corona-bedingten Pause ist dem Team der Schweizer Botschaft mehr als gelungen – Gratulation!

Die Serie SCHAUPLÄTZE – besondere Orte, Hotspots, coole Locations – nimmt die Leser und Zuschauer mit auf eine Entdeckungsreise zu erstaunlichen Orten, Städten, Events und atemberaubende Kultur- und Kunstwerke, um die Geschichte dahinter zu erkunden und zu erfahren, warum sie den Namen Hotspot verdienen.

Daniel Thomas Faller

SEOUL | Korea

Daniel ist der Gründer des Schauplatz Korea Magazins, Chefredakteur und kreativer Leiter. Er ist gebürtiger Schweizer und Korea-Liebhaber, der in Seoul lebt. Daniel interessiert sich für die Geschichten und Projekte von Menschen und hat eine Leidenschaft für visuelle Kunst und Fotografie. Gerne lässt er sich von Makgeolli verführen...

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